Sonntag, 25. Juli 2010

Der Schuhbeobachter

Am Samstagmorgen, vor einem Blumengeschäft, sah ich einen Schuhbeobachter bei seiner Kunst.

"Das Auge sieht sich nimmer satt", und fürs ausgebildete Auge ist es vermutlich noch schlimmer.  Als ich ihn langsam auf dem Bürgersteig erreichte, habe ich mir gedacht, er sollte irgendwann gerade stehen und mich bemerken.  Aber, mit der Hingabe eines wahren Profis, oder vielleicht von jemandem, der schon mehrere Schuhe durch augenblickliche Nachlässigkeit verloren hat, machte er seine Betrachtungen weiter, ganz ohne Unterbrechung.

Zwei Stunden später, als ich wieder vorbeikam, war er weg.  Die Schuhe auch.  Verschwunden.  Aber nicht vergessen.

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