Samstag, 25. Dezember 2010

Das allerbeste Weihnachtsgeschenk

Die nette, ältere Dame hineintrat, nickte mir zu, und setzte sich in der Reihe vor mir.  Ich lächelte sie an.

Der Orgelspieler spielte. Wir sangen (einigermaßen). Die Kinder betraten die Bühne.

Ich hatte nicht so viele Erwartungen, denn manchmal fehlen Kindern die Lebenserfahrungen, die man braucht, um die größten Rollen zu beherrschen und eine alte Geschichte wieder lebendig zu machen.  Meine kirchlichen Jahren sind auch schon etwas her und ich habe inzwischen einige Einzelheiten und Charakter von der Geschichte vergessen.

Aber niemand könnte es in Abrede stellen, der Soldat, der auf die Nase fiel, wurde herrlich gespielt.

Ehrlich gesagt, ich habe mich kurz nicht richtig konzentriert, weil die alle auf Deutsch sprachen.  Plötzlich war das Baby schon da.  Nach der Zusammenfassung klatschte ich mit den meisten Zuschauern.  Ich wusste nicht, was man eigentlich erwarten darf, denn ich habe so wenig Erfahrung von Krippenspielen gehabt.

Erst kurz nach dem wunderbaren Geburt und stürmischen Beifall, drehte sich die freundliche Dame herum, und teilte mir ihre gebildetere Kritik ernsthaft mit.

Ich ging sehr glücklich in den Schnee raus.

Sonntag, 21. November 2010

Schillervogel

Vor kurzem ist ein neues Alnatura neben meiner Wohnung geöffnet.  Alles ist biologisch angebaut, außer vielleicht dem Begrüßer, der am Anfang da war, und etwas synthetisch aussah.  Aber vielleicht war das nur seines lustigen Hutes wegen.



Auf jeden fall, dachte ich, ich könnte mich ab sofort gesunder ernähren.  Da meine Kochkenntnisse nicht besonders hoch sind, heißt das, ich könnte besseres Hänchen in meinen Fajitas hineinstecken.  Bisher kaufte ich meistens nur Brüste von den besonders gut ausgestattet Hänchen, die Netto irgendwie und irgendwo gefunden hat, und verdächtig billig verkaufen kann.  Das Gewissen findet das nicht so schmackhaft, aber die Füße wollen nicht viel weiter laufen müssen, und solange das Gewissen die Tüten nicht selbst tragen kann, kaufe ich das, was nah ist.  Und einige Körperteile will ich nicht aussprechen müssen, auch mit keinem Metzger, um unangenehme Missverständnisse zu vermeiden.

Aber am Ende habe ich gelernt, es fühlt sich nicht viel besser, das verschwenderische Leben und die vollständige Ausbildung eines Alnatura Hähnchens finanziell zu unterstützen.


Update:
Inzwischen habe ich angefangen mehr zu lesen, und mich für schwarze Bohnen anstatt irgendwelcher Tiere entschieden.  Ob der Fleischverzicht die Welt eigentlich verbessert weiß ich nicht, aber die Bohnen schauen mich nicht so beurteilend an, sind sogar günstiger, und sehen trotzdem ziemlich niedlich aus, während ihres Einweichens in purpurfarbiges Wasser.  Fast wie winzige, bösartige, blähende Ninjas, finde ich.  Und noch wichtiger: Weil man nie von ihren Brüsten sprechen muss, dürfte man sie ganz schamlos besprechen, ohne zu riskieren, missverstanden zu werden oder zu einer unpassenden Zeit zufällig zu erröten.

Medizinischer Zoo

Ob es längst von einer pragmatischen Entscheidung stammte, vielleicht weil die Tiere nicht eingesperrt sind, oder die tierischsten aussehenden Patienten angeglotzt werden dürfen, oder es sich einfach nur um einer zufälligen Nähe handelt, weiß ich nicht und will ich auch nicht wissen.

Donnerstag, 11. November 2010

Frankfurt Fans



Wolfsburg hatte eigentlich ein Tor geschossen.  Es stand 3 zu 1.  Ich wusste es.  Ich glaube, sie wussten es auch.

Sonntag, 24. Oktober 2010

Besenfreunde

Manchmal, wenn ich zur Arbeit gehe bevor ich wirklich aufgewacht bin, bin ich zu tief (oder mindestens etwas tief) in Gedanken versunken, und ich verpasse etwas.

Etwas zu verpassen ist natürlich ganz OK, wenn man nicht weiß, dass man etwas verpasst hat.  Nur ist es frustrierend, wenn man ein Paar Sekunden zu spät plötzlich erfasst, dass etwas eigentlich geschehen ist, was vielleicht interessant gewesen wäre, genauer anzuschauen.

Die Sache mit der Dame, dem alten Herrn und den zwei Besen bleibt das Geheimnis, das mich am traurigsten macht, wenn ich zugebe, ich werde es nie in meinem Leben wirklich verstehen können.

Sonntag, 19. September 2010

Das Automatikskateboard

Es ist doch normal, dass man nicht so ganz viele Mühe macht, wenn man spürt, dass eine Beziehung felsenfest ist. Deswegen hören so viele Leute auf, im Fitnessstudio zu trainieren bzw. sich regelmäßig zu waschen, wenn sie einen festen Partner finden.

Trotzdem soll man nicht vergessen, es gibt immer die Gefahr, dass diese gewöhnliche Faulheit vor Freude irgendwann zu weit gehen könnte, sodass der Andere anfängt, sich zu wenig geschätzt zu fühlen.

Der Besitzer

Ich bin immer noch unsicher, ob ich einen kleinen Mann mit seinem riesigen Hund sah, oder einen riesigen Hund mit seinem kleinen Mann. Auf jeden Fall war es schon klar, nur einer davon hätte die Kraft und die schlechte Laune zu bestimmen, ob ihren Spaziergang endlich als einen angenehmen Bummel oder ein ungeheuerliches Blutbad gesehen werden würde.

(Ich selbst ging schnell vorbei, um nie herauszufinden.)

Montag, 13. September 2010

Die Zuschauerin



"Eine Ethik des Mitleidens braucht eine Ergänzung durch die noch höhere Ethik der Freundschaft."


"Mitfreude, nicht Mitleiden, macht den Freund."
Friedrich Nietzsche

Manchmal, wenn man die feinsten, kurzesten Gesichtsausdrücke eines Anderen, sogar eines Fremden, sehr genau betrachtet, sieht man wie schwer es tatsächlich ist, trotz aller Bemühungen, diese noch höhere Ethik zu erreichen. Sogar wenn eine junge Dame ihren hübschen, (besonders) großen Prinz endlich findet, kann man den komischen Eindruck bekommen, dass die ganze Welt nicht immer mitfeiert.

Samstag, 14. August 2010

Der Gesegnete

Das geile Auto.

Das knackige Mädel.

Die begrünte Pflanze.

Die meisten Flaschengeister bieten genau drei Wünsche an.

Sein riesiges Lächeln war der Beweis, dass sie für einen klugen Menschen ausreichend sind.

*-Ich danke Astrid und Nico für die neuen Wörter, die ich hoffentlich richtig benutzt habe.

Dienstag, 3. August 2010

Maltesers

Letzte Woche wurde ich von der überwältigenden Freundlichkeit eines sehr netten Mädchens plötzlich angegriffen, bevor sie ein ziemlich langes, interessantes, unerwartetes Gespräch mit mir angefangen hat.  Worüber genau ist schwer zu sagen, denn ich habe nicht jedes Wort gut verstanden.  Aber, soweit ich es erfasst habe, ging es entweder um Malteser oder Maltesers.

In solchen Fällen, versuche ich nur kurze, allgemeine oder zweideutige Antworte anzubieten, um meine Ignoranz so lang wie möglich zu verbergen.

Am Ende war das eigentlich nicht so schwierig.

Montag, 2. August 2010

Die musikalische Funktion

Als ich mir die Musik eines kleines Mädchen auf der Hauptstraße anhörte, und als ich die Begeisterung des wachsenden Publikums betrachtete, ist mir etwas eingefallen: die Begabung, die ein Straßenkünstler braucht, ist tatsächlich eine Umkehrfunktion der Niedlichkeit des Besitzers.

Muss ungefähr eine Geige halten können.
Muss ziemlich gut spielen können.
Muss ein unglaublich riesiges Talent haben.


Obwohl es auch eine untere Grenze sicherlich gibt, darunter ein richtiges Talent eigentlich nicht mehr nötig ist.

Es geht nur besser, wenn man gleichzeitig Blickkontakt halten können.

Dienstag, 27. Juli 2010

Wohlbehalten



Egal ob das Kind schon ziemlich gut geschützt ist, oder ob die Straße eigentlich ganz trocken ist, schätzt die sorgfältige und aufmerksame Mutter die zusätzliche Sicherung, die nur eine Schwimmbrille anbieten kann.

Sonntag, 25. Juli 2010

Der Schuhbeobachter

Am Samstagmorgen, vor einem Blumengeschäft, sah ich einen Schuhbeobachter bei seiner Kunst.

"Das Auge sieht sich nimmer satt", und fürs ausgebildete Auge ist es vermutlich noch schlimmer.  Als ich ihn langsam auf dem Bürgersteig erreichte, habe ich mir gedacht, er sollte irgendwann gerade stehen und mich bemerken.  Aber, mit der Hingabe eines wahren Profis, oder vielleicht von jemandem, der schon mehrere Schuhe durch augenblickliche Nachlässigkeit verloren hat, machte er seine Betrachtungen weiter, ganz ohne Unterbrechung.

Zwei Stunden später, als ich wieder vorbeikam, war er weg.  Die Schuhe auch.  Verschwunden.  Aber nicht vergessen.

Donnerstag, 22. Juli 2010

Spielerei im Druckerraum

Ich war im Druckerraum, denn ich wollte etwas ausdrucken, und es gibt in solchen Fällen gar keinen besseren Raum. Plötzlich wurde die Tür geöffnet, und da stand im Eingang ein schönes, junges, geheimnisvolles Mädchen, offensichtlich auch mit Drucken im Kopf.

Sie lächelte mich an, mit einem kurzen, zärtlichen Lächeln. Wir waren alleine: nur sie, ich, zwei Drucker, ein Kopierer und ein riesiger Plotter. Selten erlebt man solche poetische Perfektion. Es konnte nichts anders als Schicksal sein. Sie spürte es auch, da bin ich sicher.

Augenblicklich blitzten tausend Bilder von der versprochenen Zukunft vor unseren Augen: das schüchterne, unsichere Kennenlernen, die Entdeckung von überaschend vielen gemeinsamen Hobbys und Gedanken, das unnötige Drucken, die heimlichen Briefe, die wachsende Liebe, das Teilen von unseren Geschichten, das Zuhören, das Kopfstreicheln, der Trost, die vollendene Liebe, das Haus auf der Insel, die Kinder (von den Nachbarn, die wir mögen aber nicht behalten müssen), das Vergessen eines Geburtstages, die Musik im Wald, der Streit über ein dummes Missverständnis (das uns später lustig scheint, auch weil ich Recht hatte), die Farben auf der Leinwand, auf unseren Körpern, auf dem Boden und auf der Katze (des Nachbars), die Vergebung, das Ende.

Aber manchmal ist ein Moment einfach zu groß, Gefühle sind zu stark, die vielen Möglichkeiten sind zu herrlich unbegrenzt. Man bekommt Angst.

Nur deswegen, muss ich vermuten, hat sie ihre Papiere schnell geholt, sich umgedreht, das Licht ausgemacht, und mich alleine in der Dunkelheit mit meinen Gedanken gelassen, als ob ich nie da gewesen wäre.

Dienstag, 20. Juli 2010

Angebot

Vor kurzem gab es "Free Hugs" auf der Hauptstraße.

Es ist eine sehr schöne Idee.  Nur, wenn man zu viel Wert auf die Identität des Umarmers legt, ist die wunderbare Reinheit der einfühlenden Tätigkeit irgendwie verloren.  Aber man muss zugeben, ob "umsonst" wirklich preiswert ist, kommt in den meisten Fällen darauf an, wer tatsächlich umarmt.

Obwohl die, die die* Schilder hielten, eigentlich besonders hübsche Mädchen waren, fand ich den Text "Umarmung umsonst" nicht ganz eindeutig.  "Von mir" war überhaupt nicht zu sehen, und man konnte nicht ausschließen, dass die schönen Schildträgerinnen nur die Werbung machten.  Ich wollte nicht das Angebot von einem annehmen, und erst später herausfinden, dass ich meine Umarmung von einem anderen bekommen sollte.  Vielleicht von jemandem, der kein Plakat trug, um die möglichen Kunden nicht zu erschrecken.  Oder weil es ein Verstoß gegen die Bewährungsauflagen gewesen wäre.

Deswegen bin ich auf der anderen Seite schnell vorbeigegangen.  Unumarmt.

*-Grammatisch kann das nicht richtig sein.

Wer umarmt ist keine Nebensache.

Montag, 19. Juli 2010

Der Handyschlecker


"Alles verstehen hieße alles verzeihen", wie die Franzosen sagen.  Ich weiß, dass es für alles eine Erklärung geben soll.  Aber genau warum er sein Handy so langsam und sorgfältig lecken sollte, allerseits, kann ich mir nicht vorstellen.

Dann, endlich sauber, steckte er es wieder in die Tasche.

Ansonsten sah er aus wie ein ganz normaler Vater.  Aber manchmal ist es schwierig, über das Handyschlecken hinaus zu sehen.

Montag, 12. Juli 2010

Haare

Ich habe es vor, bald eine Woche in Irland zu verbringen.  Der offizielle Grund (der tatsächlich stimmt) heißt, es ist immer sehr schön, meine Familie und alte Freunde wiederzusehen.  Die inoffizielle Grund ist, dass wenn ich hier zu lange bleiben würde, würde ich Cousin Itt zunehmend ähneln, denn ich will nicht zum Friseur in Deutschland gehen.  Solche soziale Situationen, in den ich meine Wünsche zu einem Fremden mit mehr als drei Wörtern und einer unverständlichen Äußerung der Dankbarkeit erklären muss, vermeide ich, so oft wie möglich.  Falls der soziale Austausch schief geht, ziehe ich es vor, mich einfach ruhig zu verdrücken, und nicht bleiben müssen, während der Andere meinen Kopf berührt.

Ich hatte mal richtig lange Haare.  Die hatten einem besonderen Mädchen gut gefallen, sonst hätte ich sie viel früher schneiden lassen.  Aber der allgemeine Konsens, den ich erst später erfahren habe, war, dass die lange Haare überhaupt keine gute Idee für mich waren.  Genauer gesagt, wurde ich mehrmals gebeten, das nie wieder zu machen.  Weil ich noch einige Bilder von der Zeit habe, kann ich den Grund gut verstehen.  Ich bin nicht total sicher, ob der eigentliche Plan des besonderen Mädchens war, dass überhaupt keine andere Frau in meinem Alter mit mir sprechen würde.  Wenn ja, hat der Plan so ausgezeichnet geklappt, dass die Wirkung lang geblieben ist, nachdem ich wieder kurze Haare hatte.

Also, in den letzten Jahren, ungefähr jeden Monat, wenn ich meine Eltern besuchten, hat meine Mutter mir die Haare rasiert.  Wir beide mögen es nicht, aber es ist die beste Alternative.  Ich muss nicht zum Friseur, und sie muss nicht das Risiko eingehen, dass ihr Sohn schreckliche, lange Haare wieder trägt.  Als ich im April dort war, ist es wieder passiert.  Aber seitdem haben meine verdammte Haare wieder gewachsen.

Leider habe ich diesmal nicht sehr gut geplant, und jetzt sind die Flüge alle ziemlich teuer, auch wenn es um etwas so wichtig geht.  Also, gestern Abend (und heute Morgen) musste ich den Notfallplan endlich durchführen.  Ich habe mir die Haare zum ersten Mal selbst geschnitten.

Nachher gab es überall Haare, wo es sie nie vorher Haare gegeben hatte, als ob meine Wohnung in die Pubertät gekommen war.

Ob es geklappt hat, weiß ich überhaupt nicht.  Durch Skype hat meine Mutter meine Arbeit beurteilt.  Ihrer Meinung nach ist es nicht total schief gegangen, obwohl ich weiß dass die Bildqualität nicht perfekt gewesen war.

Einer von den überzeugendsten Argumenten, warum man mit einem Partner wohnen soll, wäre um jemand dabei zu haben, der sich von kleinen Katastrophen vorwarnen kann: ich hätte Soße auf dem Gesicht, ich hätte auf Schokolade gesessen, ich hätte mir einen unabsichtlichen Vokuhila gemacht.  Wie es im Moment steht, muss ich wahrscheinlich bis Montag warten und auch dann muss ich hoffen, dass meiner Kollege mir die Wahrheit sagen wird, und nicht nur was ihm mehr Spaß macht.

Sonntag, 4. Juli 2010

Der Fotograf

Es sah aus, wie ein normales Date, vielleicht ein erstes Date, und sie schien ganz ruhig und furchtlos zu sein, als er ungefähr ein Meter entfernt saß.  Aber die total überflüssige Größe von seiner riesigen Kamera deutete darauf hin, dass er vielleicht mehr Fotos von ihr gemacht hätte, als sie schon wusste.

Argentina



Also, ich habe mich geirrt.  Perkeo ist nicht der schöne, ruhige Platz, Fußball anzuschauen.  Mindestens ist es nicht, wenn Deutschland nach dem Achtelfinale spielt.

Oder vielleicht sind die Deutschen jetzt überall laut.  So laut.  Vielleicht während des Spiels gibt es auch überall ein besonderer, lauter Deutscher, der nur glitzernde, rosa Hose trägt.  Das kann ich nicht wissen.  Ich habe nur den Einen gesehen, der gestern in Perkeo war.

Als das erste Tor geschossen wurde, hatte ich eigentlich richtig Angst.  Dass Deutschland eins zu null führte, fand ich gut.  Oder, besser gesagt, überhaupt nicht schlecht.  Viel besser als der Krieg, die Hungersnot, die Armut, der Tod.  Noch interessanter als Schach und andere Brettspiele.  Also, berichtenswert, und zwar gar nicht schlechte Nachricht.  In meinem eigenen Kopf habe ich sogar kurz gefeiert.  Das reichte mir.  Vielleicht würde es noch andere Tore geben.  Lass uns bitte warten, bis wir mehr wissen.

Aber es schien, die Anderen sahen es nicht so.  Für den Lärm war ich nicht bereit.  Unterdessen versuchte ich immer noch ruhig zu zeichnen.  Das ist aber nicht leicht.  Vielleicht auch nicht vernünftig.

Noch schlimmer ist es nur geworden.  Am Ende stand es 4-0, und ich weiß nicht wie das Jubeln später erhöht werden kann, falls sie das Ganze gewinnen.  Vielleicht erwarten sie es nicht, dass das je nötig sein wird.

Donnerstag, 1. Juli 2010

Schnell

Einmal habe ich einen Jogger auf der Hauptstraße gesehen, und ich habe mir gedacht, so sportlich könnte ich auch werden, wenn ich nur die richtigen Klamotten hätte.

Dienstag, 29. Juni 2010

Der Versuch der alten Dame

Wenn ich den Fußball anschaue, suche ich normalerweise einen ruhigen Platz.  Für richtiges Feiern wurde ich nicht gebaut, und wenn ein Tor geschossen wird, bin ich nie so glücklich oder begeistert, dass ich wirklich jubeln will (oder kann).  Ich glaube, ich habe in den letzten 20 Jahren nie wirklich gejubelt, und falls ich mal anfange zu jubeln, wäre es wahrscheinlich nicht wegen eines Fußballspiels, sondern weil etwas Wichtigeres passiert ist.  Vielleicht hätte ich einen neuen, tollen Regenschirm gekauft, zum Beispiel.

Höchstens lächele ich.  Oder ich lache kurz, wenn ein Verteidiger einen lustigen Fehler gemacht hat.

Deswegen ziehe ich es vor, die Hauptspiele der Weltmeisterschaft in Perkeo anzusehen.  Es gibt dort (normalerweise) andere Leute, aber nicht zu viele.  Man kann das Spiel nur genießen, fast ohne darüber denken zu müssen, dass man viel wenigere Begeisterung als die Anderen zeigt.

Am Sonntag, als Deutschland gegen England spielte, war es perfekt.  Man konnte fast alles oder überhaupt nichts gemacht haben, ohne bemerkt zu werden, denn es gab schon zwei große, unschlagbare Sehenswürdigkeiten: den Fußball selbst, und die ältere Dame mit dem Horn und mit der deutschen Fahne in den Haaren.


Nur sie ist für die Nationalhymne aufgestanden, denn nur sie stellte den passenden Respekt dar.  Als sie nach der Hymne von England applaudiert hat, war ich nicht mehr sicher, genau was sie meinte.  Als Deutschland den ersten Tor geschossen hat, war das schon klar.

Es schien, sie wollte die Stimmung etwas erhöhen: deshalb das Horn.  Ich habe nie vorher gehört, eine ältere Dame beim Hornspielen vom Deutschlandlied.  Ich wusste nicht, es könnte so lang dauern.  Ich weiß auch nicht, ob der Mann, der die Musik direkt ins Gesicht bekam, so was auch je erlebt hatte.  Er sah aus, als ob es auch neu für ihn war.

Montag, 28. Juni 2010

Anerkennung


Es passiert zu selten, dass jemand mir Beifall klatscht, wenn ich in einem Restaurant oder Kaffeehaus sitze.  Egal, wie gut ich sitze, bleibt es unerkannt.  Aber nicht in Heidelberg.

Ich gebe zu, ich war fast so verwirrt als stolz, wenn der klatschende Mann sich an mich zum ersten Mal gewendet hat, denn ich hatte zur Zeit nichts Außergewöhnliches getan.  Aber ich vermute, er sieht das Außerordentliche in der Mitte vom Alltäglichen.  Er gab zu jedem seinen Beifall, ohne Vorurteil.

Ich sehe ihn jetzt regelmäßig.  Einmal in The Dubliner klatschte jeder mit, und er lachte viel.  Ich mag den klatschenden Mann sehr.  Ich weiß nicht, wer er ist oder warum er es tut, aber er klatscht ausgezeichnet.

Sonntag, 27. Juni 2010

Beförderungsarten

Wenn ich je Fahrrad fahren würde, würde ich sicher sein wollen. Dafür braucht man einen Helm. Aber ich würde auch lieber nicht auffällig oder wahnsinnig aussehen. Dafür braucht man keinen Helm. Außerdem müsste ich die Etikette vom Radfahren lernen.  Das klingt zu viele Mühe.

Deswegen gehe ich immer zu Fuß. Die Fußgelenke tun ständig weh, aber mein Kopf bleibt klar*.

Es scheint mir aber, im Alltagsleben gehen die Deutschen überhaupt nicht gerne zu Fuß, und die suchen immer eine Alternative, egal wie sie aussieht. Unten gibt's eine Auswahl von den Beförderungsarten, die ich hier gesehen habe.

Die Cityrollerin
Wenn man nur ein energetisches, und ein faules (aber starkes), Bein hat.

Der Radfahrer I: Das promiske Bein
Wenn man nur ein ansehliches Bein hat. Das andere muss verborgen bleiben.

Der Radfahrer II: Mit verschränkten Armen
Wenn man jede Mühe geben will, um entspannt auszusehen.  Etwas kippelig, aber offensichtlich begabt.  Wenn das Fahrrad nicht da ist, sieht man etwas wie ein ungarischer Tänzer aus.

Der Skateboarder
Die Skateboarder, die fast immer in der Nähe von Bismarkplatz sind, sind einfach toll. Nur zweimal habe ich es gesehen, wenn ihre 'Tricks' geklappt haben. Ansonsten hört man jedesmal etwas wie:
*roll roll roll roll - ffffrrrght - (Pause) - Gerassel! - "Autsch! Mist..."*
Dass sie das Ganze nicht aufgeben ist fast begeisternd.

Die Einradfahrerin
Praktisch und cool.  Im Allgemeinen nicht so schnell, aber sehr schnell kurz bevor man herunterfällt.

Der Wahnsinnige
Ich bin nicht total sicher, denn er war ziemlich weit weg, aber ich glaube er fuhr auf einem Brett mit ein bis zwei Kugeln darunter. Er tat es aber mit Würde, insofern dass das möglich ist. Es war wie Surfen. Es fehlte aber ein Bisschen von der Coolness, die das Wasser normalerweise bringt.



*-Diese Haltung ist durchgehend.  Ich habe ebenso keinen Regenschirm, denn ich müsste ab und zu irgendwie einen Platz dafür finden, wenn ich nicht mehr draussen aber auch nicht zu Hause bin. Es ist vorzuziehen, einfach nass zu werden anstatt in solchen Fällen denken zu müssen. In ähnlicher Weise habe ich keine Kinder und keine Haustiere, weil die auch solche Rücksicht verlangen. Aber falls ich mal ein Kind hätte, würde ich mir sofort einen Regenschirm kaufen. Dann müsste ich mich auf jeden Fall für das Kind kümmern, aber ich könnte ihm den Schirm geben und mindestens dieses Problem fällt weg. Es wäre als ob ich einen klugen, empfindenden Regenschirm hätte, und das wäre cool. Obwohl es natürlich andere Vor- und Nachteile gäbe, die vom Kind selbst stammen würden.

Sonntag, 20. Juni 2010

Aller Anfang ist schwer

Als ich jung und begeistert war, hatte ich einen Blog. Ich bin nicht wirklich stolz darauf. Das war lieber ein Geständnis.

Ich habe natürlich nichts dagegen, wenn du einen Blog hast. Dass ich aber immer noch im Form 'Facebook-Status-Updates' denke, auch wenn ich Facebook seit lange aufgegeben habe, beweist mir, ich soll das Leben besser genießen können, wenn ich Erlebnisse richtig erlebe, ohne immer darüber zu denken, wie ich die Geschichte später ausdrücken werde. (Anders gesagt, 'Pete is skeptical with regard to the value of expressions of thoughts and experiences that were never fully thought or experienced because, at the time of their occurrence, he was too distracted by the knowledge that he would later attempt to express them through some alternative, unsatisfying medium.'). Von der indirekten Kommunikation gibt es schon zu viel, und von dem Leben viel zu wenig. Ich will lernen, wenigere unnötige Wörter zu benutzen.

Aber nicht gar keine Wörter, denn das wäre nur unfreundlich. Ich habe mich selbst überredet, dieser Blog wird einen guten Zweck haben. Für mich. Auch wenn ich nichts zu sagen habe.

Das Ganze hat gestern angefangen. Oder vor 5 Monaten (als ich nach Deutschland gekommen bin). Oder vor 8 Jahren (als ich angefangen habe, Deutsch zu lernen). Oder vor meinem Geburt (als ich geboren wurde), oder vor der Entstehung des Universums (als meine Atome geborene wurde). Es kommt immer worauf an, welche Wahrheit man auswählt, weil es immer so viele gibt. Ich ziehe vor, die gestrige Wahrheit, denn ich war dabei und ich habe sie noch nicht vergessen.

Und zwar hat es was mit einem Mädchen zu tun. Weil so viel, worüber ich denke oder wofür ich etwas Neues mache, in einem Sinn, etwas mit einem Mädchen zu tun hat.  Aber nicht immer das selbe Mädchen, glücklicherweise.

Während ich in einem Kaffeehaus saß, habe ich eine kleine Zeichnung gemacht. Wegen des Bilds hat die Bedienung mir eine nette Frage gestellt. Eine einfache Frage. Eine Frage, die ich wirklich fähig zu beantworten sein sollte. Aber in solchen Momenten fliegt mein Deutsch plötzlich weg, wie einen kleinen Engel, der über mich schwebt, der seinen Kinn kratzt, und der meine Verzweiflung nur neugierig beobachtet. Erst später, wenn alles schon vorbei ist, kommt er wieder in meinen Kopf und flüstert er mir, wie schlecht ich die Situation behandelte.

Es war natürlich nichts Neues, und es kommt nicht nur vor, wenn ich mit Mädchen spreche (oder sprechen könnte). Seitdem ich nach Deutschland gekommen bin, passiert es oft. So lange ich nichts sage, kann ich mich sogar fast gut einfügen. Aber das ist schwierig, wenn ich eine Frage beantworten soll. Dann tue ich mein Bestes meistens ein Paar relevante Wörter anzubieten, aber gleichzeitig schüchtern und bescheiden auszusehen - als ob mein Schweigen auf einen tiefen, prächtigen Genius hinweisen soll. Ich vermute, es ist aber meistens nicht so erkannt. Und manchmal vergesse ich, dass ich schweigen soll, und ich fange an zu sprechen. Das kann ja schrecklich sein. Ich plane nie richtig im Voraus, wie ich bis zum Ende des Satzes kommen soll, und wenn man ungefähr 3000 unpassende aber nur 2 oder 3 passende Wörter kennt, gewinnt man die Lotterie selten.

Es wäre also wahrscheinlich besser, wenn ich tatsächlich lerne, Deutsch zu sprechen. Dann hätte ich mindestens die Möglichkeit, manchmal den zurückhaltenden Genie/Idiot nicht zu spielen.

Aber das Sprechen ist schwierig. Wie ein anderes Mädchen bemerkt hat, schreibe ich besser als ich spreche. Oder, wenn nicht besser, schreibe ich mehr. Deswegen habe ich mich entschieden, es wäre am Anfang eine gute Idee, öfters auf Deutsch zu schreiben, um daran gewöhnt zu werden, wie man neue Sätze formuliert. Es macht aber keinen Spaß, nur einfache Sätze zu schreiben. Ich werde deshalb versuchen, auf Deutsch zu schreiben, wie ich auf Englisch schreiben würde. (Das bedeutet viele Konjunktive, auf philosophische Gründe, weil mir überhaupt nichts sicher ist. Aber ob das auf Deutsch funktioniert, weiß ich nicht). Ich vermute, es wird oft Unsinn sein. Aber wenn ich je Deutsch wirklich lerne, werde ich hoffentlich alles was ich jetzt schreibe nie wieder lesen können, weil es einfach zu peinlich ist. Dann wäre es wertvoll gewesen.

Es macht nichts, ob jemand es liest. Auf jeden Fall übe ich endlich. Aber wenn du ein englischsprechender Freund bist, kannst du immer den Link anklicken, um eine Übersetzung zu finden. Die Exzentrizität von 'Google Language Tools' ist in diesem Fall wahrscheinlich ein Vorteil, wenn du den Sinn des Originals erleben willst. Und falls du einen Kommentar schreibst, werde ich auch auf Englisch zurückschreiben. Kommentare (oder Korrekturen) von Deutschsprechenden wären auch erwünscht, wenn einer diesen Blog je findet.